Immunsystem

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Entzündungen und Immunsystem

Zusammenhang zwischen Depressionen & Entzündungen (mit IL-6-Anstieg) nachgewiesen (2017)

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen unter Depressionen, eine Zahl, die auch eine große Herausforderung für unser Gesundheitssystem darstellt. Häufig wird zwischen physischen und psychischen Krankheiten unterschieden. Forscher kommen jedoch immer mehr zu dem Schluss, dass diese Grenze deutlich fließender ist als erwartet. Zudem kristallisiert sich ein immer deutlicherer Zusammenhang zwischen Depressionen und entzündlichen Erkrankungen heraus. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass viele an Depression leidende Patienten nicht auf die üblichen Medikamente ansprechen, ist der entzündungstherapeutische Ansatz sehr vielversprechend. Die meisten derzeit verfügbaren Antidepressiva erhöhen den Serotonin-Spiegel und verursachen erhebliche Nebenwirkungen. [1]

Jüngste Studien (vor März 2017) haben sowohl in Frankreich als auch in Deutschland gezeigt, dass es einen nachweislichen Zusammenhang zwischen Depression und Entzündung gibt. So konnte beispielsweise Dr. Sophie Georgin-Lavialle (Sainte-Anne-Krankenhaus/INSERM) nur bei Depressiven erreichen, dass die serotoninbildende Aminosäure Tryptophan plötzlich neurotoxische Derivate wie Chinolinsäure produziert statt Serotonin. Der Grund für diese Funktionsveränderung ist die Überaktivierung von Zellen der körpereigenen Abwehr, den Mastozyten. Diese Studie basiert auf den Arbeiten der Professoren Raphaël Gaillard und Olivier Hermine von der Universität Paris-Descartes, die bereits einen Zusammenhang zwischen Depression und Mastozyten hergestellt haben – einer seltenen Erkrankung, die sich durch eine Überaktivierung der Mastozyten auszeichnet und von der etwa die Hälfte der Betroffenen auch an Depressionen leidet.[1]

Im Verlauf einer Entzündung steigt die Konzentration des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6)
In Deutschland wären auf diesem Gebiet vor allem Prof. Harald Engler von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und Prof. Manfred Schedlowski vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) zu nennen. Sie konnten Anfang dieses Jahres aufzeigen, dass im Verlauf einer akuten Entzündung die Konzentration des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6) nicht nur im Blut, sondern auch deutlich in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) ansteigt. Der Anstieg von IL-6 im Liquor hing dabei signifikant mit den von den Probanden berichteten depressiven Anzeichen zusammen: Nahm die Konzentration zu, verstärkten sich auch die Symptome. Die Wissenschaftler vermuten nun, dass IL-6 über die Blutbahn das Gehirn erreichen und hier durch die Modulation neuronaler Prozesse eine Depression bewirken könnte. Auch wenn weiterführende Untersuchungen noch die genauen Transportmechanismen identifizieren müssen, über die IL-6 ins Gehirn gelangt, weisen diese Befunde auf neue Möglichkeiten hin, depressive Störungen zu behandeln. So ließe sich beispielsweise dieser Botenstoff gezielt blockieren.[1]

Am Universitätskrankenhaus der Charité in Berlin forschen verschiedene Teams der Psychiatrie zu diesem Thema. So untersucht Prof. Julian Hellman-Regen beispielsweise das Potential des Medikaments Minocyclin, das ursprünglich gegen Infektionen der Atemwege und Akne eingesetzt wird und hemmend auf bestimmte Entzündungszellen des Gehirns wirkt. Die Fresszellen des zentralen Nervensystems sind bei Depressiven dauerhaft aktiviert und verursachen so eine chronische Entzündung. Hellmann-Regen hofft, dass mit dem Antibiotikum vor allem schwer depressiven Patienten, die auf kein Medikament ansprechen, geholfen werden kann. Teams in Frankreich und Deutschland forschen zum Zusammenhang zwischen Depression und Entzündung, u.a. die Abteilung für Psychiatrie und medizinische Psychologie von Prof. Patrick Schmitt am Universitätsklinikum in Toulouse, das Team von Prof. Stefan Gold, Leiter des Bereichs Neuropsychiatrie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Marion Leboyer, Leiterin des Zentrums für Psychiatrie und Suchterkrankungen am Universitätsklinikum Henri-Mondor in Paris. Diese Forschungen bieten neue therapeutische Perspektiven für die Behandlung einer Krankheit, deren Mechanismen bislang noch weitgehend unbekannt sind, und wecken neue Hoffnungen für alle Betroffenen.[1]

Entzündungen oft eine Folge klassischer Ernährungsfehler mit zu wenig Omega-3-Fettsäuren

Chronische Entzündungskrankheiten wie Arthritis, Rheuma oder entzündungsbedingte Arteriosklerose treten in Industrieländern immer häufiger auf. Wissenschaftler, Ärzte und Heilpraktiker suchen nach den Zusammenhängen zwischen dem Entstehen von Entzündungen und unseren Lebensgewohnheiten. Eine besondere Rolle scheinen dabei klassische Ernährungsfehler zu spielen.[2]

Entzündung – eine Verteidigungsstrategie des Körpers
Das Wort »Entzündung« ruft bei den meisten Menschen Schrecken hervor. Wir verbinden es mit Krankheit, Schmerz und Leid. Doch eigentlich ist eine Entzündung ein vollkommen normaler und auch nützlicher Prozess unseres Körpers. Eine Entzündung bedeutet vereinfacht gesprochen, dass sich unser Immunsystem mit einer erhöhten Aktivität gegen Eindringlinge wehrt und damit einen Heilungsprozess einleitet. Die Entzündung hat eine wichtige Funktion bei der Verteidigung und Reparatur unseres Körpers. Bei Gewalteinwirkung, aber natürlich auch durch Viren- und Bakterien-Angriffe, Chemikalien, Gifte, Hitze oder auch ausgelöst durch eine fälschliche Attacke des eigenen Immunsystems sondert das geschädigte Gewebe eine Vielzahl von Substanzen ab, welche die Entzündung auslösen. Die betroffene Körperregion verändert sich: Die Blutgefäße um den betroffenen Bereich weiten sich und geben mehr Flüssigkeit ab. Dabei kommt es zu Rötung und Schwellung. Ziel ist es, den geschädigten Bereich mit Immunzellen wie Granulozyten und Monozyten zu fluten. Sie sollen die aufblühende Infektion bekämpfen, gesunde Bereiche so abschotten, dass die Entzündung sich nicht weiter ausdehnen kann. Sie sorgen auch dafür, dass geschädigtes Gewebe entsorgt werden kann. Immunzellen wie Makrophagen und Neutrophile schließen nämlich Bakterien sowie totes oder beschädigtes Gewebe ein und sterben dann ab.[2]

Diese Ansammlung toter Immunzellen ist den meisten besser bekannt unter dem Begriff »Eiter«. Entzündungen sind also eine Verteidigungsstrategie des Körpers, um mit Angriffen auf ihn fertig zu werden. Diese Abwehrfunktion ist notwendig und durchaus wünschenswert. Weil das Wort »Entzündung« so negativ besetzt ist, realisieren die meisten Menschen gar nicht, dass ein gewisser Grad an Entzündung vonnöten ist, um unser Biosystem gesund zu erhalten. Allerdings ist der Pfad schmal: Schnell ist die Grenze überschritten und es kann passieren, dass die körpereigene Reaktion auf die Entzündung außer Kontrolle gerät. Es kann vorkommen, dass unser Immunsystem eine Entzündungsreaktion aussendet, obwohl eigentlich gar keine Bedrohung für die Gesundheit vorhanden ist. In der Folge führt das dann zu Leiden wie Allergien und Asthma, Autoimmun-, Gefäß- und Herzerkrankungen und anderen Krankheiten, je nachdem, welche Organe die Entzündung betrifft.[2]

Der Unterschied zwischen chronischen und akuten Entzündungen
Wenn wir eine Verletzung oder Infektion haben, ist eine Entzündung notwendig, um den Körper zu heilen und vor weiteren Schäden zu schützen. Durch eine Reihe von biochemischen Reaktionen werden weiße Blutkörperchen und andere Substanzen zum betroffenen bzw. verletzten Bereich geschickt, wo sie den Kampf gegen die entzündungsauslösenden Fremdkörper aufnehmen. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal eine solche nützliche akute Entzündung erlebt, zum Beispiel bei einer Schnittverletzung am Finger. Die typischen Symptome einer solchen akuten Entzündung sind:[2]

  • Rötung
  • Wärme
  • Schmerz
  • Schwellung
  • Verlust der Bewegungsfähigkeit und Funktionsstörung.

Das Schlimme an akuten Entzündungen ist, dass man den Übergang zu einer chronischen oft gar nicht bemerkt. Eine sekundär chronische Entzündung entsteht, wenn die heilenden Entzündungsprozesse zu schwach oder aus anderen Gründen erfolglos verlaufen. Wenn eine Entzündung chronisch wird, müssen oftmals gar keine Symptome auftreten. Das liegt daran, dass eine chronische Entzündung oft geringgradig, aber den ganzen Körper betreffend abläuft und dabei stillheimlich und unbemerkt das Gewebe beschädigt. Dieser Prozess mit systemischer oder lokaler Immunschwäche kann über Jahre hinweg unbemerkt bleiben, bis sich daraus schlussendlich schwerwiegende Herzerkrankungen, Krebs, Alzheimer oder so genannte Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder rheumatoide Arthritis entwickeln.[2]

Schwachstellen der konventionellen Therapie (NSAR)
Die Schulmedizin setzt bei der Behandlung meist auf entzündungshemmende Präparate wie Aspirin oder Ibuprofen. Solche Schmerzmittel sind aber selbst toxische Substanzen. Sie tragen zur Giftbelastung bei und verschlechtern oft die Gesamtsituation erheblich. Um zu verstehen, auf welche Weise Mittel wie Kortison, aber auch Aspirin oder andere nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR) wirken, muss man sich die Bedeutung der »schlechten« Eicosanoide bei Entzündungen ins Gedächtnis rufen. Kortison, eines der stärksten Mittel, dezimiert undifferenziert beide Arten von Eicosanoiden und hemmt dadurch nicht nur die Entzündung, sondern auch alle Funktionen der »guten« Eicosanoide. Das erklärt die gravierenden Nebenwirkungen von Kortison. Vom Ruf dieses Wundermittels in den 50er Jahren ist bei vielen Ärzten und Patienten nicht viel übrig geblieben. Aspirin und Advil reduzieren dagegen nur bestimmte Arten der Eicosanoide (Aspirin zum Beispiel nur Eicosanoide namens Prostaglandin und Thromboxan). Immerhin eliminieren sie die »schlechten« Eicosanoide etwas schneller als die »guten« Eicosanoide. Die Nebenwirkungen dieser Medikamente sind nicht so schwerwiegend, dafür wirken sie – gerade bei massiven Entzündungen – nicht so schnell und durchgreifend wie Kortison.[2]

Ein guter ursächlicher Ansatz zur Entzündungsreduzierung sind die langkettigen Omega-3-Fettsäuren
Während Kortison, Aspirin und andere entzündungshemmende Präparate die Enzyme zur Bildung »schlechter« Eicosanoide hemmen, reduzieren die langkettigen Omega-3-Fettsäuren die Bildung von Arachidonsäure, dem Baustein für »schlechte« Eicosanoide. Omega-3-Säuren sind auch bei häufigem Kopfschmerz, bei Migräne und bei Rückenproblemen empfehlenswert, denn all diese Schmerzsymptome gehen sehr oft mit entzündlichen Prozessen einher. Langkettige Omega-3-Säuren reduzieren das Entzündungsgeschehen in ursächlich wirkender Art auch bei Parkinson, Multipler Sklerose, Alzheimer und Asthma. Alle diese Krankheiten gehören ebenfalls zu den entzündlichen Leiden.[2]

Sport und Immunsystem

Beeinträchtigung der Abwehrfunktion nach erschöpfenden Belastungen

Im Rahmen einer epidemiologischen Studie wurde in der Woche nach einem Marathonlauf bei jedem siebten Teilnehmer ein Atemwegsinfekt beobachtet. Sportler, die sich auf den Wettkampf normal vorbereitet hatten, aber nicht teilnahmen, hatten nur in 2% der Fälle eine vergleichbare Erkrankung
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Deutsches Ärzteblatt 1998; 95(10) Grafik 6[3]


Insgesamt sprechen Studienergebnisse in [4] für eine vorübergehende Beeinträchtigung der Abwehrfunktion nach erschöpfenden Belastungen. Dies wirkt sich besonders ungünstig aus, wenn bei bestehenden Infekten intensives Training oder Wettkämpfe durchgeführt werden. In Tierversuchen führte psycho-physischer Streß zu einer erhöhten Myokarditisletalität in murinen experimentellen Infektionsmodellen. Einzelfallbeobachtungen an Menschen zeigen Zusammenhänge zwischen körperlicher Belastung, Myokarditis und plötzlichem Herztod. Von ärztlicher Seite ist daher bei Infektionen mit Zeichen der Generalisation (Fieber, Lymphknotenschwellung, allgemeine Abgeschlagenheit) ein Sportverbot notwendig. Wettkämpfe sollten unbedingt vermieden werden. Bei leichteren Erkrankungen (zum Beispiel Schnupfen ohne Fieber) ist niedrig dosiertes, eher regeneratives Training ohne ausgeprägte anaerobe Belastungen noch vertretbar.[4]

Leistungssport und Immunsystem: mehr Atemwegsinfekte bei Intensivtraining

Während der Vorbereitungsphase auf einen Marathonlauf wurde von den Sportlern die Häufigkeit von Atemwegsinfekten protokolliert. Beim Trainingsumfang unter 32 km pro Woche war die Häufigkeit von Atemwegsinfekten am geringsten. Die relative Häufigkeit wurde als 1 angenommen
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Deutsches Ärzteblatt 1998; 95(10); Grafik 7[3]


Mehrere Studien untersuchten den Einfluß von Leistungssport auf Laborparameter des Immunsystems [4]. Ausdauerathleten wiesen im Vergleich zu Untrainierten niedrigere Leukozytenzahlen auf, wobei die Mehrzahl der Autoren allerdings keine signifikanten Abweichungen feststellen konnte. Funktionelle Veränderungen weißer Blutzellen, zum Beispiel eine veränderte Phagozytose, beeinträchtigte Superoxidradikalbildung oder eine Reduzierung von sekretorischem Immunglobulin (IgA) an den Schleimhäuten, spielen für das Infektrisiko bei Leistungssportlern wahrscheinlich eine bedeutsamere Rolle. Eine erhöhte Rate an Atemwegsinfektionen fand Linde [4] bei schwedischen Orientierungsläufern im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Zwei Untersuchungen konnten zeigen, daß bei intensivem Training mit hohen Umfängen die Zahl der Atemwegsinfekte zunimmt. Zur Frage, ob die Inzidenz von Tumoren durch Leistungssport beeinflußt wird, liegen nur wenige Studien vor. Sie deuten eine Zunahme des Erkrankungsrisikos an. In Einzelfällen beobachteten wir bei langfristigem extremen psychischen (intensive anaerobe Belastungen ohne Regeneration) und psychischen Streß (Kampf gegen den Abstieg oder um Sponsorenverträge) das Auftreten von Lymphomen. Vermehrte Forschungsanstrengungen sind nötig, um zu klären, ob wirklich kausale Zusammenhänge bestehen.[4]

Präventives Training stärkt das Immunsystem

Im Rahmen einer Trainingsstudie mit älteren Frauen wurde die Häufigkeit von Atemwegsinfekten bei moderat Ausdauersporttreibenden (Wogging) und bei Probanden, die Gymnastik ohne Kreislaufeffekt betrieben (im Sinne einer Plazebogruppe), verglichen.
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Wogging: Mix aus Walking & Jogging; Grafik 9 aus [3]


Bei moderater sportlicher Aktivität, wie sie im Gesundheitssport empfohlen wird, konnten in Trainingsstudien eine Verbesserung der NK-Zellfunktion und ein Anstieg des Immunglobulinspiegels gezeigt werden. Alterssportler (Ausdauerathleten) hatten im Vergleich zu Kontrollgruppen eine höhere In-vitro-Interferon-gProduktion und Lymphozytenproliferation. Diese Beobachtungen legen eine günstige Beeinflussung altersbedingter immunologischer Abbauprozesse nahe. Hierfür könnten Trainingsanpassungen verantwortlich sein, die zu einer Verminderung von oxidativem Streß und konsekutiven Schäden an der Erbsubstanz führen. Epidemiologische Untersuchungen fanden bei mäßig Ausdauertrainierten eine im Vergleich zu Untrainierten reduzierte Rate an Atemwegsinfekten. Dies hat zu dem Modell der j-Kurve für die Beeinflussung der Häufigkeit von Atemwegsinfekten durch Sport geführt. Dabei sind Trainingsumfänge von etwa 15 bis 25 Laufkilometern pro Woche (oder vergleichbare Umfänge in anderen Ausdauersportarten) als moderat anzusehen. Die Belastungsintensität sollte eher niedrig gewählt werden, die Laktatwerte im Blut sollten bei 2 bis maximal 3 mmol/l liegen.[4]

Die vorliegenden epidemiologischen Studien deuten eine J-förmige Beziehung (J-Curve) zwischen körperlicher Aktivität und dem Risiko von Atemwegsinfekten an. Nichtsportler und sehr aktive Sportler haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Dagegen führt moderater Ausdauersport zu einer minimierten Rate an Atemwegsinfekten
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Deutsches Ärzteblatt 1998; 95(10); Grafik 9[3]


Inwieweit das Risiko, an einem Tumor zu erkranken, durch regelmäßigen Ausdauersport reduziert werden kann, wurde in zahlreichen epidemiologischen Studien untersucht. Zur Klärung dieser Fragestellung erfaßten Studien das Aktivitätslevel zum Teil retrospektiv anhand von Fragebögen oder Berufsbeschreibungen. Diese, bezüglich einer objektiven Fitneßbeurteilung methodisch problematischen Untersuchungen konnten eine um etwa 50 Prozent reduzierte Inzidenz von Dickdarmtumoren bei regelmäßig körperlich Aktiven nachweisen, während andere Tumorlokalisationen weniger eindeutig beeinflußt werden. Blair et al. [4] bestimmten prospektiv die körperliche Leistungsfähigkeit im Rahmen einer ergometrischen Fitneßtests. Krebserkrankungen traten in den Folgejahren bei leistungsschwachen Probanden viermal häufiger auf (im Vergleich zu den Leistungsstarken). Für ein vermindertes Erkrankungsrisiko an Tumoren könnten neben sportbedingten Modifikationen des Immunstatus auch andere Faktoren von Bedeutung sein wie zum Beispiel Abnahme des Körpergewichts, niedrigere Östrogenspiegel oder veränderte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.[4]

Günstige Effekte eines moderaten Ausdauertrainings auf das Immunsystems

Besonders Patienten, die über Infektanfälligkeit klagen, kann eine entsprechende Trainingstherapie uneingeschränkt empfohlen werden. Auch altersbedingte immunologische Defizite und das Risiko, an Krebs zu erkranken, werden verringert. Hohe Trainingsumfänge und -intensitäten sind dabei nicht nötig, sie können den gewünschten Effekt sogar umkehren. Epidemiologischen Studien zufolge ist die optimale Wirkung für den Laufsport bei Trainingsumfängen zwischen 15 bis 25 km/Woche, verteilt auf drei bis vier Trainingseinheiten, zu erwarten. Dieser Umfang kann sinngemäß auf andere Ausdauersportarten übertragen werden, obwohl keine entsprechenden Untersuchungen dazu vorliegen. Die Belastungsintensität sollte so gewählt werden, daß Milchsäurekonzentrationen von 2,5 bis 3 mmol/l im Blut nicht überschritten werden. Als Richtwert kann auch eine Herzfrequenz zwischen 110 bis 140 Schlägen pro Minute, abhängig von Alter und Sportart, angesehen werden. Die Trainingssteuerung anhand der Laktatkonzentrationen ist jedoch genauer und kann zusätzlich eine eventuelle Leistungssteigerung dokumentieren. Notwendige Regenerationszeiten müssen eingehalten werden, bei intensiverem Training sind mindestens 48 Stunden erforderlich. Hochintensive oder erschöpfende Belastungen und Leistungssport scheinen sich eher ungünstig auf die Funktionalität des Immunsystems auszuwirken. Es sollte versucht werden, durch angepaßte Trainingsgestaltung die negativen Auswirkungen in Grenzen zu halten. Hier sind besonders eine ausreichende Grundlagenausdauer und die Beachtung von Regenerationszeiten von Bedeutung.[4]

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Depressionen und Entzündungen – besteht ein Zusammenhang?, e-med Gesellschaft für elektronische Gesundheitsdienste, Köln, 29.03.2017, Quelle: Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der BRD, abgerufen am 9.4.2017
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Das Karstädt-Protokoll: Entzündungen – Heilkraft und Killer zugleich, Uwe Karstädt, Kopp Verlag e.K., 72108 Rottenburg a. N., 30.11.2014, abgerufen am 9.4.2017
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Sport und Immunsystem: Dtsch Arztebl 1998; 95(10): A-538 / B-438 / C-411; Matthias Baum & Heinz Liesen, PDF-Datei, 109kB, 4 Seiten
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 4,8 Sport und Immunsystem, Dtsch Arztebl 1998; 95(10): A-538 / B-438 / C-411; Baum, Matthias; Liesen, Heinz

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